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Auf vier Rädern mit voller Geschwindigkeit durch den Tiefschnee rasen, driften und Gas geben, dass der Schnee nur so nach hinten sprüht; durch den Tiefschnee surfen und über Hügel springen, ohne sich ärgern zu müssen, wenn man stecken bleibt, und ohne sich zu verletzen, wenn man sich überschlägt. Wäre das was für Sie?

Es geht tatsächlich. Nur sollte man nicht im Auto drinsitzen, sondern es fahren wie eine Militärdrohne. Man nennt das Fernsteuerung. Neugieirig geworden? Dann lesen Sie hier die Geheimnisse des Schneefahrend mit kompletten Bauanleitungen.

Aber jetzt zuerst auf die Vorschaubildchen klicken und die Bilder in groß sehen:


Einige Fotos zur Einstimmung:

Team Associated RC18MT im Schnee. Fotos: (c) Christian Rieck.

Risiken und Nebenwirkungen

Fangen wir mal mit den unangenehmen Seiten an: Fahren im Schnee ist auch für ein Modellauto nicht so harmlos wie es zunächst scheint. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass das Auto dabei Schaden nimmt, und es können hässliche Unfälle passieren, an die man nicht so schnell denkt. Daher: Wenn Sie es selbst probieren möchten, dann nehmen Sie unsere Tipps als wohlgenmeinte Ratschläge, die wir selbst probiert haben - der Rest geht auf Ihr Risiko.

Welches Risiko? Zum Beispiel:

Die Räder drehen im Schnee oft durch, oder man hält das Auto in der Luft und gibt testweise Gas. In beiden Fällen drehen sich die Räder sehr schnell und dadurch wirken auf die Schneeketten enorme Zentrifugalkräfte, sodass sie wegfliegen oder gar reißen und einem um die Ohren (bzw. in die Augen) fliegen können. Gerissen ist uns keine, aber weggeflogen sind sie manchmal, einmal mitten auf einem zugefrorenen See. Preisfrage: Hält das Eis auch einen echten Menschen aus? (Diesmal ja.)

Ein anderes Mal schaltete das Auto plötzlich auf Vollgas uns reagierte nicht mehr auf die Fernsteuerung. Das war unangenehm, weil es geradewegs auf ein fahrendes (leider echtes) Auto zuraste. Zum Glück war ein Schneehaufen im Weg, in dem es stecken blieb, aber weiter auf Vollgas stand. Frage: Wie bekommt man es abgeschaltet, ohne dass die Schneeketten wie eben beschrieben im eigenen Auge landen? In diesem Fall ging es mit ein paar Schürfwunden an den Händen. Die Ursache für den Fehler ist bis heute nicht ganz klar, zumal der eingebaute Fahrtenregler eine "Fail-safe"-Sicherung hat, die die Fahrt unterbricht, wenn der Empfang gestört ist. Vermutlich ist etwas Feuchtigkeit in den Empfänger gekommen, der daraufhin ein falsches Signal weitergegeben hat. Nach einer Minute Stilstand ging aber alles wieder wie normal.

Die Schäden am Auto sind auch nicht zu verachten, besonders durch die Feuchtigkeit: Ungeschützte Akkus werden wahrscheinlich korrodieren, der Motor und die Lager könnten durch eindringende Feuchtigkeit Schaden nehmen, ebenso die Elektronik. Bei unseren Tests haben wir eine komplette Elektronik verbrutzelt, der Rest ist uns zwar erspart geblieben, aber nur weil wir von Anderen gewarnt wurden... Kümmern wir uns also zunächst einmal um die Vorbereitung des Autos.

Das Auto Schnee- und Wasserfest machen

Wasser ist der Feind aller Metallteile, besonders wenn sie sich bewegen. Daher ist eine der wichtigsten Vorbereitungsmaßnahmen, alle Lager gut zu ölen, und zwar am besten vor und nach jeder Fahrt. Wir haben uns für kriechendes, sehr dünnflüssiges Öl entschieden, damit es in die winzigen Ritzen eines Modellautos eindringen das Wasser verdrängen kann. (Es ist Brunox, das man in Fahrradgeschäften für die Federgabeln bekommt.) Dieses Öl schäumt zwar manchmal besonders an den Gelenken, aber hat sich bis jetzt gut bewährt.

Sprühen Sie alle Lager ein und vergessen Sie nicht, dass es davon ziemlich viele gibt: An jedem Rad, am den Antrieben, an der Kardanwelle und im Motor (!).

Der Motor ist ohnehin eine Schwachstelle, denn man kann ihn nicht einfach einpacken, weil er ja gekühlt werden muss. Wasserschutzsrpray ist auch ungeeignet, eben weil er heiß wird. Wir haben ihn von innen ganz leicht gölt (Vorsicht damit, zuviel schadet) und die Lager immer gut geölt, ansonsten war er einfach offen. Das scheint auch das beste zu sein, denn der eindringende Schnee schmilzt schnell und kann dann sofort wieder abfließen. Daher sollte er auch von unten her offen sein, auch wenn das zunächst ein wenig unsinnig wirkt.

Die Empfangseinheit haben wir komplett in einen Kondom gesteckt, diesen mit Kabelbinder verschlossen, das Ganze mit Klebeband gesichert und mit Servoklett und einem Kabelbinder befestigt. Das scheint ein bisschen viel der Befestigung, aber Kondome haben eine antihaftende Beschichtung, die leider die Wirkung von fast jeder Form von Kleber oder Klebeband vollständig aufhebt. Wer das nicht mag, der kann die klassische Methoden verwenden und einen Luftballon als Wasserschutz einsetzen. Aber Vorsicht: Da man ja das Kabel herausführen muss, verbleibt immer eine kleine Öffnung, durch die potenziell Wasser eindrigen kann. Außerdem entsteht durch die Temperaturunterschiede fast mit Sicherheit Kondenswasser, das die Elektronik bereits stören wenn nicht gar schädigen kann. Als Abwehrmaßnahme kann man den Empfänger zuvor in Kückenkrepp einwickeln und eventuell ein kleines Beutelchen Wasserabsorbtionsmittelchen mit einpacken, wie es bei elektronischen Geräten oft beiliegt. Angeblich soll es auch mit Reis funktionieren, das man in einen Kaffeefilter einpackt, aber wir haben es nicht probiert.


Akku schützen

Der Akku sitzt bei vielen Autos so stramm, dass ein Luftballon einfach zu dick ist. Zudem bekommt man die notwendige Form nicht so leicht. Besonders für Stickpacks ist daher ein Kondom wie geschaffen, aber auch bei anderen Bauformen passt es prima. Wir empfehlen Fromms classic - die haben außer Talkum keine weitere Beschichtung. Der einzige kleine Haken ist die abstehende Spitze, die leicht irgendwo zwischen die (Zahn-) Räder kommt und dann leicht ein Loch bekommt, was hier zwar weniger schwerwiegende Folgen hat als beim Originalverwendungszweck, aber immer noch schlecht ist. Zudem entstehen beim Einlegen des Akkus leicht Löcher, sodass die schützenden Hülle des Öfteren ausgetauscht werden sollte.

Nicht ganz klar ist, ob man die neugierigen Fragen minderjähriger Kinder sowie die entsetzten Gesichtsaudrücke von deren Begleitpersonen als Vor- oder Nachteil werten sollte.

Auch beim Akku entsteht immer Kondenswasser, und es dringt auf Dauer am Kabel etwas Wasser ein. Daher sollte man den Akku regelmäßig auspacken und trocknen. Das geht gut auf der Heizung (nicht über 50 Grad) und dauert mitunter sehr lange, weil das Wasser nur sehr schwer wieder aus dem Pack herauskommt. Ein Akkuexperte hat uns den Tipp gegeben, kleine Löcher in den Kunststoffschlauch zu bohren, der die einzelnen Zellen zusammenhält, und das verkürzt die Trockenzeit ganz ordentlich auf eine Nacht.

Zudem scheint es günstig zu sein, in den Akku das Elektronik-Schutzspray "Wet Protect 21" zu sprühen (mehr dazu weiter unten): Dieses Spray unterkriecht das Wasser und schützt die Zellen recht wirkungsvoll vor Korrosion - dagegen sind sie nämlich sehr empfindlich. Über Langzeitfolgen können wir noch nichts berichten, aber die Erfahrungen Anderer mit diesem Spray auf Akku-Zellen sind soweit alle recht positiv.




So sieht es aus, wenn alles fertig ist

Fortsetzung folgt...

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