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Motorrad für das Frühjahr startklar machen

Vergiss das Putzen - das ist was fürs Einmotten, nichts fürs Ausmotten. Es sei denn natürlich, das Putzen macht dir Spaß, aber dann brauchst du gar nicht weiterzulesen, weil du dann bereits im Herbst beim Einmotten die Batterie sorgsam ausgebaut und unter dein Bett gestellt hast, der Zylinder mit Motorenöl gefüllt ist und du dich durch eine zentimeterdicke Schicht Wachsspray arbeiten musst, was hier alles unberücksichtigt bleibt.

Andernfalls lädst du zunächst einmal die Batterie auf und nutzt die gewonnene Zeit, um den Schlüssel zu suchen. Falls du ihn nicht findest (was mir jedes Jahr passiert, seit ich die Winter nicht mehr durchfahre, also seit 1983), sieh mal in der Hosentasche deiner Motorradhose nach. Falls er auch dort nicht ist, dann auf dem Boden des Kleiderschranks. Falls er auch da nicht ist, dann nimm dir vor, einen sicheren Ort auszugucken, an dem du ihn im nächsten Winter sicher deponierst, und dann suchst du dort. Anschließend nimm sofort wieder Abstand von diesem Anfall von Ordnungswahn, denn andernfalls vergisst du den sicheren Ort über den nächsten Winter garantiert, und alles geht wieder von vorne los.

Solltest du den Schlüssel bereits am ersten Tag gefunden haben, dann benutze ihn auch umgehend. So richtig unangenehm ist es nämlich, wenn man 250 kg Stahl aus der Ecke der Garage hievt um mittendrin festzustellen, dass er infolge eines eingerasteten Lenkschlosses vollkommen manövrierunfähig ist, bevor man ihn nicht mehr halten kann und seitlich darunter rutscht. (Handy in der Brusttasche bereithalten.)

Falls die Maschine jetzt also wider Erwarten draußen stehen sollte, dann machst du den kleinen Check, ob noch alles in dem gewünschten Zustand ist:

Vorderbremse wirkt noch? Wenn du den Hebel erst weit druchziehen kannst und nach einigenmal Pumpen nicht mehr, dann ist höchstwahrscheinlich die Bremsflüssigkeit zu wechseln. Hydraulische Bremsen stellen sich selbst nach, daher lohnt sich ein verstohlener Blick auf die Markierung der Bremsbeläge, um zu sehen, ob da noch wenigstens zwei Millimeter sind.

Die Hinterradbremse ist meist durch Gestänge betätigt. Da du zum Ende der Saison sicherlich nicht noch einmal alles brav eingestellt hast, ist dies der optimale Zeitpunkt dafür: Wenig Spiel am Hebel, aber gerade noch genug, damit sich das Rad noch frei dreht, wenn die Bremse nicht betätigt ist. Dafür ist ein Mittelständer natürlich sehr schön, weil du aber keinen hast, versuche zuerst den Trick mit der Bierkiste als Bock (seitlich drunterstellen, während die Maschine auf dem Seitenständer steht, dann das Motorrad geradestellen), und falls auch das nicht geht, dann wenigstens das Motorrad schieben und auf Schleifgeräusche hören.

Kupplung lässt sich noch betätigen und hat am Hebel noch 2 mm Spiel (gemessen am Spalt, nicht am Ende des Hebels)? Stelle nicht zu viel Spiel ein, aber im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig. Und während du das Spiel einstellst, spendierst du auch gleich einen gezielten Strahl Caramba für den Kupplungszug und das Bremsgestänge.

Kette sauber und gefettet? Falls du die Kette vor dem Einmotten gereinigt und wieder eingefettet hast (was sehr sinnvoll gewesen wäre), dann achte jetzt darauf, das Fett auf der Außenseite der Kette wieder abzuwischen, weil dieses ansonsten den Staub von der Straße anzieht und die Kette sehr schnell durchschmirgelt.

Anschließend wirf einen Blick auf den Reifendruck, denn über mehrere Monate Standzeit sinkt er normalerweise auf unangenehm niedrige Werte und ist dann eine schöne Unfallursache. Eine ebensolche ist übrigens auch die Staubschicht, die sich über den Winter hinweg gebildet hat und besonders bei leichter Nässe eine rutschige Schmiere bilden kann, an die man meist erst dann denkt, wenn man das erste heftige Bremsmanöver ausführen will, das auch nicht wie gewohnt klappt, weil die Bremsen zunächst auch anders wirken als gewohnt, weil sich auch dort Rost oder ein Schmierfilm gebildet haben kann.

Aber zum Glück bemerkt man das alles nicht so recht, weil man die ersten Tage ohnehin noch sehr wackelig fährt und erst dann übermütig wird, wenn sich die Technik schon wieder eingespielt hat.

Ölstand ok? Wenn die Maschine an einem sauberen Ort steht, unter ihr kein Ölfleck ist und du im Herbst alles brav kontrolliert hast, dann sollte es kein Problem geben. Prüfe den Östand dennoch zur Sicherheit kurz, denn es kostet dich nur eine Minute, kann aber den Motor retten, der schon nach wenigen Metern einen Totalschaden hätte, wenn der Öldruck erst einmal abgefallen ist. Ach ja: Prüfe den Ölstand, bevor du den Motor anlässt. Sonst kommt eine wundervolle Fontäne Öl aus der Öffnung geschossen, die dich von oben bis unten besudelt. Nicht schön, glaube mir (wie immer, spreche ich aus Erfahrung).
Wenn unter dem Motorrad ein grünlicher Fleck ist, dann ist wahrscheinlich das Kühlwasser ausgelaufen. Das passiert natürlich nur, wenn ein anderes, größeres Problem vorliegt, zum Beispiel ein Loch irgendwo, weil das Kühlwasser eingefroren war Das ist leider kein Widerspruch: Trotz Frostschutzmittel friert das Wasser irgendwann, und Werkstätten haben die Angewohnheit, bei Reparaturen im Sommer ein wenig schlampig mit dem Frostschutz zu sein - nach dem Winter hast du ja praktisch keine Chance mehr, nachzuweisen, wer der Schuldige ist. Zum Glück haben die meisten Motoren Sollbruchstellen, an denen das Loch zunächst einmal nur wenig Schaden anrichtet, abgesehen davon, dass man es eben reparieren muss.

Also sei hier vorsichtig und denke daran, dass das Kühlwasser auch gern in einer unbeheizten Garage friert. Für den Fall, dass du ohne Kontrolle des Kühlwassers losfährst und auf einmal die Temperaturwarnleuchte angeht, dann bleibe sofort stehen. Wirklich sofort. Und schiebe dein Motorrad nach Hause. Das mag übertrieben wirken, aber falls du es anders machst, passiert Folgendes: Der Motor überhitzt, was ihm nie gut tut, selbst wenn der Verschleiß nicht sofort sichtbar wird. Dessen ungeachtet kommst du nun mit heißem Motor zu Hause an und füllst natürlich sofort das Kühlwasser auf. Da das Wasser kalt ist, gibt es im Motor Hitzespannungen, und der gesamte Motor platzt. Wenn du Glück hast, trifft es nur den Zylinderkopf, aber das reicht auch schon für ziemlich viel Ärger und noch mehr Geld. Deshalb: Motor sofort aus, dann wird er gar nicht erst so heiß, dann nach Hause schieben, dabei kühlt er gleich ein wenig ab. Dann abwarten und Tee trinken, bis alles wieder handwarm ist. Anschließend mit dem heißen Teewasser nachfüllen, damit alles ohne Haarrisse abgeht. Klingt lächerlich? Ich wünschte, es wäre es.

Motor einige Minuten im Stand laufen lassen. Auf diese Weise verteilt sich das Öl wieder im gesamten Ölkreislauf und erreicht alle Schmierstellen, bevor der Motor richtig gefordert wird. Motorradmotoren sind oft sehr hochgezüchtet und müssen daher ein weing vorsichtiger behandelt werden als Automotoren. Es geht nicht darum, den Motor auf Betriebstemperatur zu bringen - das ginge nämlich unter Belastung besser. Es geht tatsächlich ums Öl. Wenn du nur sehr unregelmäßig fährst (weniger als einmal pro Woche), dann ist dieses Im-Stand-laufen-Lassen eine gute Prozedur vor jedem Start. Alternativ kannst du natürlich auch die ersten Minuten mit sehr niedriger Drehzahl fahren. Denke daran, den Choke wieder zurückzunehmen, nachdem der Motor wärmer geworden ist.

Motorrad springt nicht an?

Das kann folgende Ursachen haben:

Du hast zwar das Lenkschloss aufgeschlossen, aber nicht die Zündung eingeschaltet, weil du diese neumodischen Kombischlösser gewohnt bist.

Du hast vergessen, den Bezinhahn zu öffnen.

Du hast vergessen, den Choke zu betätigen. Und ihn dann viel zu weit gezogen. Oder den Dekompressionshebel mit dem Choke verwechselt. Oder du weißt gar nicht mehr, was ein Choke eigentlich ist. (In den letzten beiden Fällen schiebe die Maschine wieder in die Garage und nutze diese Saison zum Lesen guter Bücher übers Motorradfahren oder kaufe dir ein Mountain-Bike.)

Du weißt nicht mehr, auf welcher Seite der Kickstarter ist. In diesem Fall hilft anschieben: Motorrad möglichst auf eine leicht abschüssige Stelle stellen, selbst draufsetzen, jemand anders schieben lassen (Argumentationshilfe: Sicherheitsgründe anführen), zweiten oder dritten Gang einlegen, auf die Fußrasten stellen, Kupplung plötzlich loslassen und gleichzeitig auf die Sitzbank fallen lassen. (Wer jetzt fragt, wieso denn das?, der hat noch nie ein Motorrad angeschoben: weil andernfalls das Hinterrad einfach durchrutscht, da es den Kolben nicht über die Kompression drücken kann; das gilt umso mehr, je größer die Zylinder sind, also besonders bei Einzylindern.) Anschließend das Motorrad vom Helfer wieder den Hang hochschieben lassen, weil der Motor immer noch nicht läuft.

Du hast vorm Einmotten, den Vergaser nicht leerlaufen lassen, und das Benzin in der Schwimmerkammer hat Wasser gezogen. Oder das Benzin im Tank hat Wasser gezogen und ist daher nicht mehr so brennbar, wie gewohnt. Falls der Winter in deinem Fall mehr als 12 Monate gedauert haben sollte oder der Lagerort sehr feucht war, dann lasse das alte Benzin ab und fülle neues ein. Falls das zu umständlich erscheint, besorge dir erst einmal Startpilot (das ist ein Spray in rot-weißen Dosen, das es an Tankstellen gibt;-) und sprühe mehrere Sekunden in den Luftfilterkasten (normalerweise unter der Sitzbank oder an der Seite unter einer Verkleidung, beides mit einer Schraube zu erreichen). Jetzt sollte der Motor zumindest einige Sekunden lang anspringen, und das reicht meist, um auch danach weiterzulaufen. Start-Pilot ist nicht billig, aber jeden Cent wert.

Motor läuft erst, geht dann aber nach Kurzem wieder aus? Das kann an Folgendem liegen: Er lief ohnehin nur mit Startpilot, nicht mit Sprit. In diesem Fall die Prozedur wiederholen. Oder lief zwar mit Sprit, aber nur aus der Vergaserkammer, weil du den Bezinhahn zugelassen hast. Abhilfe: Benzinhahn öffnen und nicht dabei erwischen lassen. Oder du hast den Choke zu lange gezogen gelassen. Dann ist jetzt der Motor wahrscheinlich abgesoffen. Choke wieder rein, Gas ganz auf, mehrfach durchstarten und dann normale Anlassversuche. Siehe oben.

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